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Netzwerk Betroffenen Forum e.V. – Preysingstr. 8- 94447 Plattling

An alle Unterstützer der Täterorganisation
Brüdergemeinde
  Korntal
31.5.2016                                                                    

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie Sie sicher aus den Medien wissen, haben wir einen Verein zur Unterstützung der ehemaligen Heimkinder der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal gegründet
Link zur Satzung Dieser Verein wurde in Zusammenarbeit mit Herrn Detlev Zander ins Leben gerufen, um die Kinder, die in den Jahren 1950 bis 2002 in den Einrichtungen der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal lebten,  bei der Aufarbeitung und Bewältigung ihrer unvorstellbaren und unbeschreiblichen Erlebnisse zu unterstützen und zu begleiten.

Da Sie die Täterorganisation seit vielen Jahren unterstützen, ist es uns ein besonderes Anliegen, dass wir es Ihnen jetzt, nachdem das ganze Ausmaß dieser Tragödie bekannt wurde  ermöglichen können, über unseren Verein, auch die vielen Opfer, zu unterstützen.   http://www.heimopfer-korntal.de

Wir haben mit unserem Verein eine bisher noch nicht dagewesene Konstruktion gewählt, bei der bewusst keine Opfer, als Handelnde eingebunden wurden, sondern ein Gremium aus 7 unabhängigen Personen, Unternehmern, Ärzten, Apothekern, Steuerberatern, Beamten und Ingenieuren, ins Leben gerufen wurde, dass sich dieser schwierigen Aufgabe stellen wird, eine lückenlose Aufklärung zu ermöglichen und zugleich die Geschädigten bei der Durchsetzung ihrer Forderungen und Wünschen auf jede nur erdenkliche Weise, zu unterstützen.

Wir werden für diesen langen und steinigen Weg, viel Engagement, aber auch sehr große finanzielle Mittel benötigen, die wir, auch durch Ihre Mithilfe, einsammeln möchten. Wir wenden uns deshalb heute mit der Bitte an Sie, uns bei unserem Vorhaben, finanziell zu unterstützen und damit den Opfern ein bisschen Gerechtigkeit und Menschenwürde  zurückzugeben.

Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!

Bilder für Netzwerkanschreiben 31.5.2016

 

Das waren sie, die unschuldigen Kinder, lassen Sie uns das nie vergessen!

 

Spendenkonto: IBAN DE06 7415 0000 0420 3734 66

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schwaebische.de  LOKALES  24.05.2016
(Aktualisiert 17:20 Uhr)
Philipp Richter

Missbrauchsopfer gründen Verein

Evangelische Landeskirche lehnt Gespräche ab
Der Betsaal der Brüdergemeinde in Wilhelmsdorf.

Kiche WilhelmsdorfSZ-Archiv

Wilhelmsdorf ric Das „Netzwerk Betroffenenforum“ ist jetzt ein eingetragener Verein. Wie bereits berichtet (SZ vom 20. Mai: „Unter Kinderschändern“), möchte die Gruppe um Detlev Zander die Rechte von Missbrauchsopfern aus den Kinderheimen der Evangelischen Brüdergemeinde in Wilhelmsdorf und Korntal vertreten.

Seit das Netzwerk Betroffenenforum ein Verein ist, darf das Netzwerk auch Spenden entgegennehmen. Den Angaben Zanders zufolge haben bereits Großspender der Brüdergemeinde dem Verein Geld gegeben.

Laut Detlev Zander und anderen Betroffenen sollen Kinder in den 1960er- und 1970er-Jahren misshandelt und sexuell missbraucht worden sein, darunter er selbst. Nachdem das ehemalige Korntaler Heimkind seine Missbrauchsgeschichte 2013 öffentlich gemacht hatte, kamen immer wieder neue Vorwürfe auf. Die Evangelische Büdergemeinde hat bereits bekannt, dass es Missbrauch gegeben hat und begann mit Opfervertretern einen Aufarbeitungsprozess, der wie berichtet, derzeit auf Eis liegt, aber weitergehen soll.

Unter anderem hat das Netzwerk Betroffenenforum versucht, Gespräche mit dem Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July, zu führen. Dieser lehnt Gespräch allerdings ab, wie aus einem Brief vom 29. April hervorgeht, der der „Schwäbischen Zeitung“ vorliegt. Begründet wird das vom Referenten des Bischofs mit dem Verweis auf die Eigenständigkeit der Brüdergemeinde. Dennoch gibt es „Vereinbarungen“ der Brüdergemeinde mit der Evangelischen Landeskirche von 1931 und von 1971, die eine Zusammenarbeit, aber eben auch die Eigenständigkeit der Brüdergemeinde regeln. Zudem sind Mitglieder der Brüdergemeinde bei der Evangelischen Landessynode wahlberechtigt und wählbar. Das geht aus dem Kirchenrecht hervor.

Informationen und Kontakt zum „Netzwerk Betroffenenforum e.V.“ gibt es unter Telefon 09931/9079650 oder im Internet unter

www.heimopfer-korntal.de

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KORNTAL-MÜNCHINGEN
JSW | 23.05.2016
Korntal: Verein und Spenden für Heimopfer
Die offizielle Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in Kinderheimen der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal kommt nicht voran.
Die offizielle Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in Kinderheimen der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal kommt nicht voran. Die Organisation, die sich immer noch in einer „Neu-Orientierungsphase“ sehe, treibe Machtspiele, halte Zusagen zur finanziellen Unterstützung der Betroffenenarbeit nicht ein und versuche auszusitzen, kritisierte Detlev Zander bei einem Treffen des Netzwerks Betroffenenforum am Wochenende. Dafür habe man es nun nach langen juristischen Auseinandersetzungen Anfang Mai geschafft, den lange gewünschten Verein ins Vereinsregister eintragen zu lassen, auch ein Konto für Spenden werde eingerichtet, sagte Zander. 58 Betroffene seien bereits Mitglied. Zudem gebe es Zusagen oder schon Zahlungen von früheren Großspendern der Brüdergemeinde.

Die hätten sich in Gesprächen alle „sehr geschockt gezeigt, auch, wie aktuell mit uns umgegangen wird“, sagte Zander. Der Mann, der mit seinen Schilderungen des sexuellen Missbrauchs in den Sechziger und Siebziger Jahren den Stein ins Rollen gebracht hatte, bezog sich dabei auf nicht eingehaltene Zusagen der Vertreter der Brüdergemeinde für die finanzielle Unterstützung der Betroffenenarbeit sowie Angriffe vor allem auf ihn und weitere frühere Mitglieder der Steuerungsgruppe, die die Aufarbeitung mit koordinieren sollten.

Das sieht auch Ursula Enders so. Die Vorsitzende des Kölner Vereins Zartbitter, die als Expertin bundesweit anerkannt und seit 1990 auf den Missbrauch in Institutionen spezialisiert ist, war Gast des Treffens. Sie sagte aber auch, dass das Verhalten der Brüdergemeinde in dieser Situation nicht ungewöhnlich sei, sie habe bei anderen Aufarbeitungen ähnliches erlebt. Viel habe auch mit den Strukturen innerhalb der evangelischen Kirche zu tun, mit vielen juristisch voneinander unabhängigen Einheiten. Es müsse deshalb immer wieder von vorn diskutiert werden und viel werde zerredet.

Enders gab auch ihre Sicht auf den im Januar 2015 offiziell gestarteten Aufarbeitungsprozess, der nach dem Entzug des Vertrauens in Mechthild Wolff durch die Betroffenen und deren anschließendem Rückzug im März nun keine Leitung mehr hat; auch die Hotline für Betroffene an Wolffs Hochschule wurde kürzlich abgeschaltet. Es habe strukturelle Fehler gegeben, die teils fachlich und ethisch unverantwortlich gewesen seien. Man hätte die Aufgabe nicht als Einzelner angehen dürfen, sondern nur im Team, was dann zu spät geschah. Zudem hätte zuvor eine juristische Aufklärung erfolgt sein müssen. „Doch die Faktenlage in Korntal ist überhaupt nicht geklärt.“ Zander ergänzte, dass manche Taten noch nicht verjährt seien und auch die Rolle der Diakonissen und Vorgänge am Standort in Wilhelmsdorf zu wenig bekannt seien. Dazu wolle man künftig mehr Aufklärungsarbeit leisten.

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 Kommentar zum Missbrauchsskandal
Wiederholte Demütigung

Von Franziska Kleiner

  1. Mai 2016 – 09:36 Uhr

Die ehemaligen Heimkinder können sich nur mittels massiver externer Unterstützung Gehör verschaffen.

Bild 13.5.2016Foto: dpa

Korntal-Münchingen – Neben dem Juristen Ulrich Weber, der die Vorfälle bei den Regensburger Domspatzen aufklärt, ist nun auch die Wissenschaftlerin Ursula Enders mit den Betroffenen des Korntaler Missbrauchsskandals im Gespräch. Wie Weber hat Enders die Opfer von sexuellem Missbrauch in den Kinderheimen der evangelischen Brüdergemeinde darin bestärkt, an ihrem Willen zur Aufklärung festzuhalten.

Das war wichtig. Denn inzwischen ist klar, dass die Betroffenen nur mittels massiver externer Unterstützung Gehör finden – und dass nur so ihr Leid anerkannt wird. Andernfalls werden ihre Anliegen zerrieben in dem juristischen Geplänkel, das derzeit die Situation prägt. Denn nicht, weil die Vorwürfe so nichtig wären, sondern weil es die Struktur der evangelischen Kirche Deutschlands ermöglicht, steht die Brüdergemeinde nicht im Fokus einer Öffentlichkeit, wie sie etwa die Opfer der Odenwaldschule, von Kloster Ettal oder eben der Regensburger Domspatzen hatten.

Die Strukturen in der Brüdergemeinde könnten den Missbrauch erst möglich gemacht haben, das soll die Aufarbeitung zeigen. Wenn dies zutrifft, dann schützen Strukturen die Gemeinde nun abermals. Das ist ein Skandal hinter dem Skandal.

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23.05.2016 Bietigheimer Zeitung 

Korntal: Verein und Spenden für Heimopfer

Die offizielle Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in Kinderheimen der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal kommt nicht voran.

JSW | 23.05.2016

Die offizielle Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in Kinderheimen der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal kommt nicht voran. Die Organisation, die sich immer noch in einer „Neu-Orientierungsphase“ sehe, treibe Machtspiele, halte Zusagen zur finanziellen Unterstützung der Betroffenenarbeit nicht ein und versuche auszusitzen, kritisierte Detlev Zander bei einem Treffen des Netzwerks Betroffenenforum am Wochenende. Dafür habe man es nun nach langen juristischen Auseinandersetzungen Anfang Mai geschafft, den lange gewünschten Verein ins Vereinsregister eintragen zu lassen, auch ein Konto für Spenden werde eingerichtet, sagte Zander. 58 Betroffene seien bereits Mitglied. Zudem gebe es Zusagen oder schon Zahlungen von früheren Großspendern der Brüdergemeinde.

Die hätten sich in Gesprächen alle „sehr geschockt gezeigt, auch, wie aktuell mit uns umgegangen wird“, sagte Zander. Der Mann, der mit seinen Schilderungen des sexuellen Missbrauchs in den Sechziger und Siebziger Jahren den Stein ins Rollen gebracht hatte, bezog sich dabei auf nicht eingehaltene Zusagen der Vertreter der Brüdergemeinde für die finanzielle Unterstützung der Betroffenenarbeit sowie Angriffe vor allem auf ihn und weitere frühere Mitglieder der Steuerungsgruppe, die die Aufarbeitung mit koordinieren sollten.

Das sieht auch Ursula Enders so. Die Vorsitzende des Kölner Vereins Zartbitter, die als Expertin bundesweit anerkannt und seit 1990 auf den Missbrauch in Institutionen spezialisiert ist, war Gast des Treffens. Sie sagte aber auch, dass das Verhalten der Brüdergemeinde in dieser Situation nicht ungewöhnlich sei, sie habe bei anderen Aufarbeitungen ähnliches erlebt. Viel habe auch mit den Strukturen innerhalb der evangelischen Kirche zu tun, mit vielen juristisch voneinander unabhängigen Einheiten. Es müsse deshalb immer wieder von vorn diskutiert werden und viel werde zerredet.

Enders gab auch ihre Sicht auf den im Januar 2015 offiziell gestarteten Aufarbeitungsprozess, der nach dem Entzug des Vertrauens in Mechthild Wolff durch die Betroffenen und deren anschließendem Rückzug im März nun keine Leitung mehr hat; auch die Hotline für Betroffene an Wolffs Hochschule wurde kürzlich abgeschaltet. Es habe strukturelle Fehler gegeben, die teils fachlich und ethisch unverantwortlich gewesen seien. Man hätte die Aufgabe nicht als Einzelner angehen dürfen, sondern nur im Team, was dann zu spät geschah. Zudem hätte zuvor eine juristische Aufklärung erfolgt sein müssen. „Doch die Faktenlage in Korntal ist überhaupt nicht geklärt.“ Zander ergänzte, dass manche Taten noch nicht verjährt seien und auch die Rolle der Diakonissen und Vorgänge am Standort in Wilhelmsdorf zu wenig bekannt seien. Dazu wolle man künftig mehr Aufklärungsarbeit leisten.

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22,5.2016 Missbrauchsskandal in Korntal
Externe Hilfe für die Opfer

Von fk 22. Mai 2016 – 18:10 Uhr Stuttgarter-Zeitung.de

Kasse

 

 

 

 

Die Wissenschaftlerin Ursula Enders reist aus Köln an, um ehemalige Korntaler Heimkinder zu unterstützen

Die Betroffenen benötigen zur Finanzierung der Selbsthilfe Spenden.Foto: factum/Granville

Korntal-Münchingen – Manchmal, so scheint es, fehlen Detlev Zander die Worte. „Es ist einfach unglaublich“, sagt er dann. Mehrfach war der Mann, der den sexuellen Missbrauch in den Kinderheimen der evangelischen Brüdergemeinde in Korntal öffentlich gemacht hat, in den vergangenen Wochen in dieser Situation: Der Korntal-Münchinger Bürgermeister lehnt ein Gespräch mit den Betroffenen ab, ebenso der Bischof der evangelischen Landeskirche Württembergs. Und auch die Brüdergemeinde selbst schweigt. Stattdessen sprechen die Juristen.

Gestritten wird unter anderem darüber, wer für die Infrastrukturkosten aufkommt: Die Betroffenen haben ein Büro gemietet. Die Kosten trug die Brüdergemeinde, je-denfalls so lange, wie der Missbrauchsskandal unter der Leitung von Mechthild Wolff aufgearbeitet werden sollte. Seitdem die Betroffenen der Wissenschaftlerin zu Jahresbeginn das Vertrauen entzogen haben – sie hatte sich ihrer Meinung zu sehr auf die Seite der Brüdergemeinde gestellt –, stagniert die Aufarbeitung.

Bei einem neuerlichen Opfertreffen am Samstag stellte Zander unter anderem den inzwischen gegründeten Unterstützerverein „Netzwerk Betroffenenforum“ vor. Dieser habe inzwischen 58 Mitglieder. Zudem hätten Großspender der Brüdergemeinde auch ihnen Unterstützung zugesagt. Während sie einerseits also Hilfe erhielten, blieben andererseits bei der Stadtverwaltung und der Landeskirche die Türen verschlossen. Der Bürgermeister Joachim Wolf lässt erklären, „keinen konstruktiven Beitrag“ bei der Aufarbeitung leisten zu können, weil sowohl die „notwendige Kompetenz als auch das Hintergrundwissen in diesem sehr komplexen und vielschichtigen Sachverhalt“ fehlten. Der Landesbischof Frank Otfried July wiederum verweist darauf, dass die Brüdergemeinde selbstständig sei. Dabei fordere er nur ein, was der Brüdergemeinde auch zuteil werde, sagt Zander: ein Gespräch, in dem die Betroffenen ihre Sicht der Dinge darlegen können.

Brüdergemeinde orientiert sich neu

Auch die Brüdergemeinde reagiere – wenn überhaupt – mit Ablehnung, fasst Zander die vergangenen Wochen zusammen. „Die Ignoranz der Brüdergemeinde ist furchtbar.“ Klaus Andersen, der weltliche Vorsteher der Brüdergemeinde, verweist indes auf eine „Neu-Orientierungsphase“, die voraussichtlich „mit dem Monat Mai abgeschlossen“ sein werde. Gleichzeitig bekräftigt er aber das Bekenntnis zur Aufarbeitung, diese werde weitergehen: „Dazu gibt es aus unserer Sicht keine Alternative. Über sexuellen Missbrauch kann nicht geschwiegen werden.“ Die Aufklärung und Offenlegung stünden im Vordergrund. „Das sind die Forderungen und Erwartungen von allen Seiten und somit der offensichtlich gemeinsame Nenner für die Fortsetzung.“ Damit dies gelinge, scheine es „notwendig, eine neutrale Person, einen Mediator einzubinden“. Auch bestehe weiterhin die Bereitschaft zur Zahlung von Anerkennungsleistungen. Die Brüdergemeinde hatte angekündigt, Betroffenen je bis zu 5000 Euro zu bezahlen. Damit lehnt sie sich an die Regelungen innerhalb der evangelischen Landeskirche Württembergs an.

Strukturen der Landeskirche in der Kritik

Just an den Strukturen innerhalb der Landeskirche setzt die Kritik von Ursula Enders an. Die Wissenschaftlerin und Autorin leitet „Zartbitter“ in Köln, eine Kontakt- und Informationsstelle gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen. Sie untersucht vor allem sexualisierte Gewalt in Institutionen und war unter anderem Mitglied der Untersuchungskommission der Missbrauchsfälle in der Evangelisch-Lutherischen Nordkirche.

Beim Opfertreffen am Samstag, zu dem sie auf Einladung der Betroffenen gekommen war, legte sie anhand ihrer Erfahrung dar, dass das Verhalten der Brüdergemeinde nicht ungewöhnlich für das Vorgehen einer Institution in dieser Situation sei. „Es gilt die Macht des Stärkeren, und das ist der Wortgewaltige. Das ist die Gefahr.“ Gleichwohl wähnte sie sich bei den Schilderungen der Betroffenen durchaus in einer Situation, als hätte es die bundesweiten Diskussionen über sexuellen Missbrauch und dessen Aufarbeitung nie gegeben. Das Verhalten der Brüdergemeinde sei eine einzige Machtdemonstration. „Es ist nicht hinnehmbar im Jahr 2016, wie die Institution mit den Betroffenen umgeht.“ Die „Inszenierung der Brüdergemeinde habe durchaus „die Qualität von RTL“.

Enders erläuterte, dass die Struktur der evangelischen Kirche in Deutschland das Verhalten der Brüdergemeinde erst ermögliche. Denn anders als die katholische Kirche sei die evangelische Kirche nicht klar hierarchisch gegliedert: „Deshalb wird viel zerredet.“ Und anders als die katholische Kirche haben die Protestanten auch keinen Missbrauchsbeauftragten: „Es gibt nicht, wie in der katholischen Kirche, das Gegenüber, mit dem man diskutieren kann. Das Gegenüber sind die Repräsentanten der Institutionen, in denen der Missbrauch stattgefunden hat.“ Die Betroffenen seien deshalb schutzlos denen ausgeliefert, die die Interessen der Institutionen vertreten.

Missbrauchsskandal in KorntalChronik der Ereignisse

Von fk 22. Mai 2016 – 18:10 Uhr

Der Beginn 
Detlev Zander hat von 1963 bis 1977 in einem Korntaler Kinderheim gelebt. Im Frühjahr 2014 berichtete er als Erster öffentlich von sexuellem Missbrauch, Prügelorgien und Zwangsarbeit in den Einrichtungen der evangelischen Brüdergemeinde; andere Betroffene folgten seinem Beispiel.

Die Entwicklung 
Zander scheiterte mit seiner hohen Geldforderung an die Brüdergemeinde, weil ihm für ein Gerichtsprozess keine Prozesskostenhilfe gewährt wurde. Gleichwohl stellte sich die Brüdergemeinde seiner Forderung, die Vorfälle aufzuarbeiten. Das Projekt unter der Leitung einer Wissenschaftlerin scheiterte aber.

Der aktuelle Stand 
Die Betroffenen haben Spenden gesammelt, um sich juristischen Beistand zu holen. Derzeit kommunizieren die Juristen beider Parteien miteinander. Wie es weitergeht, ist offen.

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20.5.2016 Missbrauch im Kinderheim: Der Aufarbeitungsprozess stockt

Aufnahme aus dem Kinderheim in Korntal bei Stuttgart.

Kind im Bad 20.5.2016Fotos: privat/ric

Wilhelmsdorf sz Nachdem Detlev Zander mit seiner Geschichte 2013 an die Öffentlichkeit gegangen ist, begann für die Brüdergemeinde ein langwieriger und schwieriger Aufarbeitungsprozess. Doch der stockt momentan. Den Grund dafür sehen die beteiligte Brüdergemeinde und die Opfervertreter unterschiedlich. Das erst im März gestartete Meldetelefon für die Opfer der Gewalt in den Heimen in Korntal und Wilhelmsdorf wurde am 15. April wieder abgeschaltet, was der Pressesprecher der Evangelischen Brüdergemeinde, Manuel Liesenfeld, bedauert: Eine Chance sei vertan worden. Jetzt müssen die Beteiligten wieder an einen Tisch kommen und einen Weg finden, wie weitergemacht werden kann.

Zum Hintergrund: Der Aufarbeitungsprozess begann im Jahr 2014, als sich die Opferhilfe Korntal gegründet hat, ein Interessenverband, in dem auch Nicht-Opfer vertreten sind. Es wurde eine Steuerungsgruppe gegründet, in der Vertreter von Brüdergemeinde und von Betroffenen sitzen. Sie sollten über das Vorgehen der Aufarbeitung entscheiden. Als wissenschaftliche Leiterin berief die Steuerungsgruppe Mechthild Wolff, Professorin an der Universität Landshut. Am 1. März dieses Jahres schaltete sie ein Meldetelefon frei, bei dem sich betroffene Heimkinder melden konnten. Das Ziel: Sie sollten das Erlebte erzählen, damit man erfuhr, was alles vorgefallen ist. Alle geführten Interviews mit den Betroffenen werden derzeit bearbeitet, auch wenn das Meldetelefon nicht mehr läuft, versichert die Wissenschaftlerin. Am Ende soll ein Bericht darüber stehen.

Persönliche Angriffe

Noch im März hat Mechthild Wolff allerdings die Zusammenarbeit aufgekündigt. Warum, das erklärt Wolff im Gespräch mit der SZ so: „Es gab Misstrauen mir gegenüber. Ich sehe das nach wie vor als unbegründet an. Das alles ist sehr unglücklich, weil wir an dem Punkt waren, als das Konzept stand und es richtig losgehen konnte.“ Auch die Vorwürfe Wilhelmsdorf betreffend sollten in der Runde aufgearbeitet werden, so Wolff. In einer Pressemitteilung der Brüdergemeinde hieß es dazu: „Insbesondere die gegen Frau Wolff gerichteten persönlichen Angriffe seitens Betroffener und ihrer Unterstützer haben zuletzt ein unzumutbares Maß erreicht.“

Die Opfervertreter haben schon länger die Zusammenarbeit mit Mechthild Wolff in der Steuerungsgruppe kritisiert. „Sie ist nicht 100-prozentig neutral gewesen“, wirft Detlev Zander ihr vor, Vertreter des „Netzwerks Betroffenenforum“, das wiederum aus der Opferhilfe Korntal wegen Unstimmigkeiten hervorgegangen ist. Zander berichtet auch von einem unfairen Umgang seitens der Brüdergemeinde. Die Wünsche und Sorgen der Betroffenen würden nicht ernst genommen.

Der Sprecher Manuel Liesenfeld beteuert im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“, man wolle immer noch, dass „alles auf den Tisch kommt“, genau deswegen habe man ja auch mit der Aufarbeitung begonnen. „Am Ende soll eine Dokumentation der Taten, Täter und des gesellschaftlichen und pädagogischen Umfeldes der damaligen Heimerziehung stehen“, so Liesenfeld.

Jetzt soll es also weitergehen. Wie, steht noch nicht fest. Ein „Weiter so“ kann es aus Sicht von beiden Parteien nicht geben. Detlev Zander hat als zentrale Figur in der Aufarbeitung den Rechtsanwalt Ulrich Weber ins Gespräch gebracht, der bereits mit dem Missbrauchsskandal bei den Regensburger Domspatzen betraut ist. Die Brüdergemeinde lehnt diesen aber ab. „Wir sollten nicht wieder den Fehler machen, die Lösung in einem bloßen Austausch von externen Sachverständigen zu suchen“, sagt Liesenfeld.

Mechthild Wolff: „Ich kann den Betroffenen nur wünschen, dass es weitergeht und sie bald zu ihrem Recht kommen.“

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http://www.schwaebische.de

Unter Kinderschändern

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netzwerkG e.V.18.05.2016 IN EIGENER SACHE

Uns wurden in Sachen Vereinsgründung von allen Seiten unzählige Steine in den Weg gelegt. Doch wir sind über jeden Stein gegangen, und haben unser Ziel erreicht!
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Mitteilung über die Eintragung im Vereinsregister Deggendorf Netzwerk Betroffenen Forum (ehemaliger Heimkinder der Einrichtungen der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal) e. V., Sitz: Plattling, VR 200413 

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Wir danken allen Unterstützern, die an uns glauben, und auch im Hintergrund ohne große Worte spenden, oder hinter uns stehen!
Unterstützen Sie auch unsere Arbeit, Aufklärung Missbrauch in den Einrichtungen der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal.

Die Verantwortlichen im Missbrauchsskandal der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal haben die Zahlungen uns gegenüber eingestellt! Wir sind wirtschaftlich nicht so stark, wie die Täterorganisation Brüdergemeinde Korntal. Deshalb brauchen wir Ihre Unterstützung.
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Mehr Informationen unter: www.heimopfer-korntal.de
oder über die Evangelische Brüdergemeinde Korntal www.Brüdergemeinde-Korntal.de

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Brief vom Landesbischof 29.4.2016

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